
Change – Hochschulentwicklung zwischen Realität und Vision
Statements unserer Veranstaltungspartner zum Konferenzmotto
Wir haben die Veranstaltungspartner der Campus Innovation 2011 aus dem Kreise der Institutionen, die sich auf Landesebene mit den Thema "eLearning in Hochschulen" beschäftigen, anhand von zwei Leitfragen um Statements zum Veranstaltungsmotto "Change – Hochschulentwicklung zwischen Realität und Vision" gebeten:
• Was ist Ihre Vision für die Hochschulentwicklung bzw. für die Hochschule der Zukunft?
• Welche Impulse oder auch neuen Erkenntnisse erhoffen Sie sich aus der Veranstaltung?
PD Dr. habil. Christoph Igel, Managing Director, CeLTech:
Hochschulen der Zukunft sind global agierende Orte der thematischen Reflektion und des wissenschaftlich fundierten Diskurses im engen multilateralen Informations- und Wissensaustausch mit der Gesellschaft, Wirtschaft und Politik sowie Kulturschaffenden. Hochschulen sind durchlässig für Bildungsinteressierte aus aller Welt, weniger Formalitäten sondern vielmehr individuelle Fähigkeiten, Kompetenzen und Persönlichkeitsmerkmale entscheiden über Bildungschancen. Hochschulen sind Orte gelebter Offenheit und Integration – und doch zugleich auch Ort des kompetitiven Erlebens und der Bewährung des Einzelnen um die besten Ideen für eine nachhaltig verantwortungsvolle Entwicklung der Gesellschaft.
Wissenschaftliche Disziplinarität ist die Basis interdisziplinären Arbeitens, welches wechselweise sowohl innerhalb wie auch außerhalb von Hochschulen stattfindet, personaler Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft ist die Regel, nicht die Ausnahme.
Hochschulen verfügen über regionale Bezüge und global agierende Niederlassungen, das Zusammenspiel von Management und Wissenschaft prägt die Hochschulentwicklung. Intelligente Technologien und digitale Assistenten unterstützen die Hochschule in ihrer Gesamtentwicklung – Bildung ohne Technologien wird nicht mehr möglich sein.
Die Campus Innovation 2011 ist ein Puzzleteil auf dem Weg hin zu einer solchen Hochschule. Mit CeLTech wollen wir einen Beitrag dazu leisten, dieser Vision ein kleines Stück näher zu kommen.
Dr. Norbert Kleinefeld, Geschäftsführer, ELAN e.V.:
Vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung unserer Gesellschaft sehen wir es als erstes wichtiges Ziel der Hochschulentwicklung an, weiteren gesellschaftlichen Gruppen den Zugang zur akademischen Bildung zu eröffnen. Den Studieninteressierten, die erhebliche zeitliche (Versorgung von Angehörigen, Nebenerwerbstätigkeit usw.) und/ oder inhaltliche (Anerkennung von Abschlüssen, Sprachhindernisse usw.) Herausforderungen zu bewältigen haben, müssen flexiblere Zugänge zur akademischen Bildung angeboten werden.
Für die „klassischen“ Studierenden auf dem Campus müssen als zweites wichtiges Ziel in Zukunft noch bessere Angebote in Lehre, Forschung und bezüglich der akademischen Karriereplanung entwickelt werden. Speziell in der Lehre muss der Betreuungsschlüssel verbessert werden, so dass die Lehrenden besser auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Studierenden eingehen können. Moderne Medien können hier z.B. durch den breiten Einsatz in Massenveranstaltungen Abhilfe schaffen. Den Lehrenden steht vielerorts bereits heute eine Vielzahl von Lernmanagementsystemen wie z.B. Stud.IP, Werkzeugen z.B. zur Aufzeichnung von Lehrveranstaltungen und neuen Möglichkeiten des Web 2.0 im Internet zur Verfügung, mit denen sie ihre Lehre anreichern und attraktiver gestalten können. Beim Einsatz dieser neuen Möglichkeiten sollten die Lehrenden gleichzeitig bei der Weiterentwicklung ihrer Medienkompetenz unterstützt werden, so dass sie die Qualität der Lehre insgesamt verbessern können. Sie wären dann auf „Augenhöhe“ mit den Studierenden, die von sich aus eher mit den modernen Medien vertraut sind, diese Medien an der Hochschule auch erwarten und diese Medien selbst auch während ihres Studiums einsetzen.
Die Hochschule der Zukunft hat sich unseres Erachtens durch umfassende Change-Management-Prozesse auf allen wesentlichen Ebenen den o.g. Herausforderungen gestellt, bietet entsprechende Angebote an und hat entsprechende Strukturen ausgebildet.
Von der Campus Innovation erhoffen wir uns einen Erkenntnisgewinn in Bezug auf Best Practice-Beispiele aus der Gegenwart und in Bezug auf interessante Ansätze für die Zukunft. Weitere Impulse erwarten wir in Bezug auf engere Einbeziehungsmöglichkeiten von Studierenden in die Hochschulentwicklung, die u. E. noch ausbaufähig ist.
Klaus Moseleit, Referent der Geschäftsstelle der Metropolregion Hamburg:
Eine Vision für die norddeutschen Hochschulen wäre eine Einheit in der Vielfalt – ähnlich der Öresund- oder der Bodensee-Hochschule. Das heißt ein hohes Maß an Vernetzung und Kooperation sowie eine gemeinsame Präsentation nach außen.
Ein Schwerpunkt für der Weiterentwicklung der Hochschulen der Zukunft sollte im Bereich des „Lebenslangen Lernens“ liegen, mit einer gegenseitigen Anrechenbarkeit von Weiterbildungsangeboten aus der Hochschulweiterbildung sowohl für Studienabschlüsse als auch für die betriebliche Fortbildung. Gerade im Bereich der Fachkräftesicherung und des berufsbegleitenden Studiums können die Hochschulen als die Spitzen der Forschung und Entwicklung einen wesentlichen Beitrag zum Lebenslangen Lernen auf hohem Niveau liefern.
Als Anregungen aus der Campus Innovation erhoffe ich mir ein stärkeres Aufeinanderzugehen der Hochschulen und Einrichtungen beim Thema des Lebenslangen Lernens und einen neuen Impuls für die Kooperation der Hochschulen in Norddeutschland.
Prof. Dr. Rolf Granow, Geschäftsführer, oncampus GmbH:
Öffnung für Vielfalt – dies erscheint mir eine der entscheidenden Herausforderungen zu sein, um den zukünftigen gesellschaftlichen Anforderungen an Hochschulentwicklung gerecht zu werden. Das Internet hat wesentlichen Anteil am Übergang vom klassischem „closed-shop“-Denken hin zum „global village“. Dieses ist längst keine Vision mehr, sondern Realität. Ich bin fest davon überzeugt, dass dieses Medium auch Motor der Entwicklung offener, vernetzter Hochschulstrukturen wird.
Andererseits: „Wer nach allen Seiten offen ist, kann nicht ganz dicht sein“ – auch an diesem Bonmot ist ja etwas Wahres. Wir haben uns deshalb von Anfang an entschieden, uns auf einige wenige Profileckpunkte dieser Öffnung zu konzentrieren:
• Öffnung für neue Zielgruppen im Kontext Lebenslangen Lernens
• Gestaltung innovativer, offener Hochschulkooperationen
• Offene Austauschprozesse Hochschule-Wirtschaft
Damit ist es uns in den letzten 10 Jahren gelungen, berufsbegleitendes Online-Studium und –Weiterbildung nachhaltig erfolgreich zu implementieren. Das vom BMBF geförderte Leitprojekt „Lernen im Netz – Aufstieg vor Ort“ wird uns jetzt die Möglichkeit zu einem Quantensprung geben, um die disruptive Entwicklung des Internet konsequent in die Gestaltung einer neuen Generation von Lebenslangem Lernen an Hochschulen zu integrieren.
Das Hochschulsystem befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel – es geht auch auf der CampusInnovation darum, diesen Wandel zu reflektieren, sich über Stand, Möglichkeiten und Grenzen internetbasierter Technologien im Rahmen dieses Wandels auszutauschen, sowie insbesondere auch darum, Netzwerke zu pflegen, auszuweiten und auch Impulse für neue zu legen.
Prof. Dr. Georg Müller-Christ, Institutsleiter, ZMML:
Die Lehre mithilfe von neuen Medien wird die Qualität der Lehre deutlich verbessern. Neue Medien machen Struktur und Inhalt der Lehre transparent und helfen den Studierenden daher, die Prüfungsanforderungen verstehen zu können. Eine gesunde Mischung aus diskursiver Lehrveranstaltung zur Wissensverarbeitung und Online-Lehrveranstaltung zur Wissensaufnahme wird die Hochschule 2015 prägen. Sie ist damit eine offene Hochschule, die allen Interessierten in der Gesellschaft aktuelle Lehrinhalte frei zugänglich anbietet. Lehrende werden sich viel konsequenter an der Idee der Kompetenzvermittlung orientieren und akzeptieren, dass gute Lehre mit neuen Medien zu einer Teamleistung von Lehrenden und Medienfachleuten wird. Innovative Hochschule stellen ihre Finanzierungsinstrumente auf diese Teamleistung um.
Die Veranstaltungspartner bringen hochkarätige Fachreferenten und aktuelle Themenstellungen in das Konferenzprogramm ein:
• Keynote „Universität der Zukunft: Technologien und Herausforderungen für die Zukunft von Hochschule, Studium und Lehre“ von Prof. Dr. Jörg Siekmann
• Vortrag „The Next Generation: Intelligent-adaptive Lernsysteme“ von PD Dr. Christoph Igel
• Vortrag „Lernen im Netz-Aufstieg vor Ort: Ein Strukturansatz zum regionalen Mainstreaming von berufsbegleitendem Studieren und Aufstiegsweiterbildung“ von Prof. Dr. Rolf Granow
• Vortrag „Virtuelle fachübergreifende Lehrveranstaltungen“ von Prof. Dr. Georg Müller-Christ und Nadine Dembski
• Vortrag „Auf dem Weg zur Offenen Hochschule: Erfolgsfaktoren lebenslangen Lernens“ von Dr. Wolfgang Müskens
• Hands-on Workshop „Mobile Learning & Digital Music“ mit Wolfgang Bogler
• oncampus-Lounge: Gespräche rund um das Thema „Lernen im Netz, Aufstieg vor Ort?“